Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Die historischen Fachwerkhäuser, insbesondere das jetzige Rathaus, die „Alte Post“, das „Keudell´sche Schloß“

Das Hotel „Zum Schwan“, die Klauskirche und die Schlagdhäuser sind Zeugen der Wohlhabenheit. Durch den Handel über die Werra-Schifffahrt sind Handwerker und Kaufleute viel herumgekommen. Im hiesigen Fachwerk findet man fränkischen, thüringischen und niedersächsischen Einfluss, wie auch Einflüsse aus der Weserrenaissance.

Die Häuser sind im Grunde genommen älter, als eingeschnitzte Jahreszahlen besagen. Teilweise waren sie abgebrannt und wieder aufgebaut worden. Die Keller verraten das eigentliche Alter. Das Fachwerk, das wir heute in Wanfried vorfinden, ist zumeist im oder nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut. Es verwundert den Betrachter jedoch, dass noch so viele schöne, alte Fachwerkhäuser erhalten geblieben sind. Dafür gibt es folgende Erklärung. Handel schafft Beziehungen und viele Freundschaften und bringt Geld. So waren in den Kriegen früherer Jahrhunderte meistens die Offiziere in Wanfried einquartiert, während die Soldateska in den Nachbarorten untergebracht waren. Die Orte, in welchen die Offiziere lebten, blieben von Brandschatzungen und Plünderungen verschont. Die Handelshäuser und ihre Besitzer wurden mit Schutzbriefen unter Schutz gestellt. Im 30-jährigen Krieg verrohten die Kriegssitten jedoch zunehmend. Weswegen Wanfried während der Jahre 1623 bis 1626 arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Durch das vorhandene Vermögen der Bürger wurden die Häuser schnell wieder aufgebaut. Man kann dies an den Jahreszahlen der Häuser erkennen. Die seinerzeit einzige vollständige Häuserzeile ist die Straße „Vor dem Gatter“. Im Gegensatz zu ihren Nachbarn flohen die Wanfrieder Bürger nicht ständig in die Berge. Sie beherbergten die Heeresleitungen. Der schwedische General von Wrangel zum Beispiel logierte in den letzten Kriegsjahren im Eckhaus Markstraße/Vor dem Gatter und ließ erst 1650 sein Gepäck nach Schweden nachkommen – per Transport über die Werra. (In Treffurt waren während des 7-jährigen Kriegs insgesamt 48.000 Soldaten und 24.000 Pferde einquartiert. Diese mussten alle von der Stadt verpflegt werden, wodurch sich diese eine Schuldenlast von 24.000 Talern aufbürden musste.) Nachdem Wanfried die Stadtrechte erhalten hatte baute es die ersten Schlagdhäuser an der Werra. Im Jahre 1620 wurde erstmals vom Bau einer Wasserleitung vom Karnberg nach Wanfried berichtet. 1648 entstand die heutige Klauskirche, in der Schlagdstraße wurde ein Pfarrhaus für die Familie des evangelischen Pfarrers gebaut. Jährlich erreichten Wanfried 1 100 Schiffe, die Einnahmen aus der Schifffahrt betrugen 65 % der gesamten Einnahmen der Stadt. Dafür mussten sie eine Stadtbefestigung bauen. Da sie zu Beginn der Stadtgründung noch nicht genug Mittel hatten, sicherten sie die Bürger durch den Bau eines Walles mit Zaun und Graben. Am Ein- und Ausgang waren Stadttore aus Stein aufgerichtet. Das Stadtwappen des Untertores ist noch heute in der Mauer des „Keudell´schen Schlosses“ erhalten. 1627 wurde Wanfried der Rotenburger Quart zugeschlagen. Als Landgraf Carl von Hessen-Cassel-Rheinfels nach Wanfried kam ließ er 1693 das Landgrafenschloss zu seiner Residenz umbauen und Wanfried wurde Grafschaft Kassel-Rheinfels-Wanfried, der katholischen Seitenlinie Hessen-Wanfried. Die Söhne Christian und Wilhelm lebten dort bis zu Erlöschen der Linie im Jahre 1755. Danach fiel der Besitz an die Hauptlinie Hessen-Rotenburg zurück.

1806 kam die Schifffahrt wegen der Zugehörigkeit zu m Königreich Westfalen für einige Jahre völlig zum Erliegen. Zwar blühte die Schifffahrt immer wieder ein wenig auf, doch Hochwasser. Klirrende Kälte, Trockenheit und andere wetterbedingte Gründe ließen die Werra-Schifffahrt nicht mehr rentabel erscheinen. Die Wanfrieder mussten sich umorientieren. Die Schifffahrt wurde eingestellt, die die Stadt umgebenden Wälle und Türme wurden geschleift, das alte und baufällige Rathaus wurde abgerissen. Geblieben ist die alte, sehr schöne, geschlossene Fachwerkfassade, die nach liebevoller Restauration das Flair der früheren Jahre wiederspiegelt. Ergänzend zu den Bemerkungen im Zeitalter der Industrialisierung noch einige weitere Betrachtungen. 1880 kauften der Königliche Kammerherr und Rittmeister Karl Xaver von Scharfenberg und seine Gemahlin Freifrau von Diergardt das Gut Kalkhof und bauten es als neuen Herrensitz aus. 1886 kauften sie auch die staatliche Domäne mit dem herrschaftlichen Schloss. Somit waren einige bedeutende und vom Zerfall bedrohte Gebäude wieder genutzt. 1888 weihte man den Neubau der evangelischen Kirche ein, die streng im neugotischen Stil nach den Plänen des Baumeisters Ungewitter, einem Wanfrieder, erbaut worden war. Ein Schüler des Baumeisters beaufsichtigte den Bau der Kirche. 1889 wurde auf dem Gries das Schmirgelwerk errichtet. 1902 erfolgte die Grundsteinlegung für die (heute) Alte Schule, einem neu-gotischen Backsteinbau. 1886 erfolgte die Grundsteinlegung für die Werrabrücke. Die letzte Fähre fuhr am 28.11.1886. Für den Bau der Bahnhofstraße mussten in der Marktstraße einige Häuser weichen. Den Bahnhof errichtete man am Ende der Bahnhofstraße. 1902 wurde die Eisenbahnlinie Eschwege-Treffurt feierlich eingeweiht. Die letzten Postkutschen fuhren unter den Klängen der Stadtkapelle einen Tag vorher nach Eschwege bzw. Treffurt.1908 gab es bereits eine Flussbadeanstalt am Gries. Ferner konnte man im Oktober 1908 die Katholische Kirche einweihen. Die Ringstraße führte um die Stadt. Das Postgebäude entstand 1904, danebenlag eine Villa, gegenüber ab 1921 die „Ölmühle“. In der Ringstraße entstanden einige prachtvolle Häuser, teilweise noch im Obergeschoss mit Fachwerk verziert. Backstein war inzwischen preiswerter als früher und haltbarer gebrannt. Aus diesem Material Mit Fachwerk zur Verzierung ist auch die Turnhalle (Erich-Schröder-Halle) erbaut. Sie wurde 1887 eingeweiht. Nach dem 1. Weltkrieg wurden vereinzelt Wohnhäuser jenseits der Bahnlinie „auf dem Mäuerchen“ und in der Ottilienstraße gebaut. Die Siedlung „Im Freilehen“ entstand kurz vor dem 2. Weltkrieg.

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