Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Das Landgrafenschloss zu Wanfried

Im Gebiet an der Werra entstanden einige Burgen zur Befestigung der Linie der Franken gegen die Sachsen. Ob damals bereits in Wanfried eine solche Anlage vorhanden war liegt im Dunkeln. Am 5. Februar 1015 bekam die Abtei Hersfeld unter anderem in Wanfried von Kaiser Heinrich II. ein Gut als Ersatz für andere Güter, welche die Abtei dem Bistum Bamberg abgetreten hatte. Die im Archiv in Marburg liegende Urkunde sagt nichts darüber aus, nach welchem Recht der Besitzer namens Siegfried das Gut besessen hatte.

Man sprach damals von einem „Königsgut“ in „Wanifredum“. In dieser Zeit wurde das Königsgut in eine Talburg umgebaut. 1306 kaufte Landgraf Heinrich I. die Burg und das Fischerdorf Wanfried von Thüringen, die somit in hessischen Besitz übergingen. In den Urkunden von 1334 und 1338 wurde die Wasserburg als „Burg“ benannt. Im Mühlhäuser Urkundenbuch wird sie 1337 als „Casturm Wenefrydin bezeichnet. Sie war eine stark befestigte Burg an der Straße Leipzig-Mühlhausen-Boyneburg. Burgmannen waren Albert von der Owa und die Preuse (Preuß, Preys) von Wenefriede. Letztere Familie gilt als das älteste Wanfrieder Adelsgeschlecht. 1334 erhält ein Preus von Wenfride von Landgraf Heinrich den achten Teil seiner Burg Wenfryde für 50 Mark. Eine weitere Belehnung ist in einer Urkunde des Jahres 1338 ausgesprochen. Preyse will dem Landgrafen die Burg gegen jedermann mit Ausnahme des Erzbischofs von Mainz und den Markgrafen von Meißen offen halten. Von da an wurde die Burg an verschiedene Edelleute verpfändet (Koyel, Heimbrod von Boyneburg, Ratgeber, Landgraf Hermann von Hessen). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden als Lehnsträger von Burg und Dorf „Wannefredde“ zwei Ritter von Herde genannt, die 2000 Goldgulden an Landgraf Wilhelm den Mittleren zahlten. Landgraf Wilhelm ließ den Wirtschaftshof errichten und einen zweiten Wassergraben zur Sicherung anlegen. Landgraf Moritz der Großmütige baute die Burg zu einem landgräflichen Schloss um. Hand- und Spanndienste hatten die Leute von Ort und Amt Wanfried zu leisten. Der Eingang war von der Schlossstraße her. Rechts und links neben dem Eingang waren die Hundezwinger. Dann kam man auf den Ökonomiehof. Von dort gelangte man über eine Zugbrücke unter dem Torbogen hindurch in einen kleinen Schlosshof. Im südlichen Flügel befanden sich die landgräflichen Gemächer, der Rittersaal und die Kapelle „Zu den fünf Wunden“. Im Ostflügel lebte der Amtmann, im Nordflügel (1906 abgebrochen, heutige Zufahrt) befanden sich unten die Weißzeug- und Vorratskammern und oben die Prinzessinenkammern. Im 30-jährigen Krieg brannten Teile des Gebäudes nieder, doch die hessischen Landgrafen bauten das Schloss wieder auf. Zum Schloss gehörte ein großer Garten mit Forellenteich, der außerhalb des Schlosses Richtung Werra lag. 1627 kam Wanfried zu Rotenburger Quart. Als Landgraf Karl nach Wanfried kam, gründete er die Grafschaft Kassel-Rheinfels-Wanfried. Erbaute das Schloss zu einer Residenz um. 1727 vernichtete ein Großbrand die Scheunen und Stallungen der Schlossanlage. Sie wurden wieder aufgebaut und bekamen ihre heutige Gestalt. 1755 starb der letzte Landgraf von Hessen-Wanfried, Landgraf Christian. Er wurde im Erbbegräbnis auf dem Hülfensberg beigesetzt. Seine Ehefrau Maria Franziska, geb. Gräfin von Hohenlohe-Bartenstein starb am 11.12.1757 in Frankfurt. Für Wanfried hörte die Rotenburger Quart schon zu diesem Zeitpunkt auf zu existieren. Das Vermögen fiel an die Linie Hessen-Cassel zurück. Das Schloss wurde nach der Rotenburger Quart Staatsdomäne. Die Gebäude litten sehr. 1866 kaufte der Königliche Kammerherr Karl Xaver von Scharfenberg die Domäne und hielt die Gebäude wieder in Ordnung. An der Ecke „Schloßstraße/Hinter dem Marstall“ entstand ein Getreidelager. Interessanterweise dachte man offenbar schon damals ökologisch, denn das Dach deckte man mit Gras, um das Getreide im Sommer vor Hitze und im Winter vor Frost zu schützen.

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