Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Wanfried nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg kam ein Flüchtlingsstrom ungeahnten Ausmaßes aus dem Osten nach Wanfried. Die ausgehungerten, teilweise auch verletzten Menschen wurden zunächst für eine Nacht versorgt und dann weiter in Flüchtlingslager geschickt. Viele Menschen blieben aber in der Folgezeit hier wohnen. Für sie musste schnellstens Wohnraum geschaffen werden. Fast über Nacht war die Einwohnerzahl von 2 700 in 1939 auf 4.100 in 1945 gestiegen.

Mit Mitteln des ERP und der heimischen Industrie konnten 1949 die ersten Wohnblocks „Vor dem Untertor“, im „Lindenweg“, „Auf dem Mäuerchen“ und in der „Ottilienstraße“ errichtet werden. Einige der Flüchtlinge und auch Wanfrieder bauten sich Wohnhäuser im „Triftweg“, in der „Ottilienstraße“ und in der Celler-Straße. Als dann die Zonenrandförderung einsetzte, schloss sich Baulücke zwischen „Mühlhäuser – Straße“ und „Celler-Straße“. Ebenso schlossen sich in der Stadt einige Baulücken. Am „1. Graben“ setzte rege Bautätigkeit ein. Heute heißt die Straße „Plouescatstraße“, benannt nach der Partnergemeinde im Rahmen der deutsch-französischen Städtepartnerschaft. 1957 weihte man den neuen Kindergarten in der Ringstraße ein, die Gerhart-Hauptmann-Schule öffnete 1960 ihre Pforten, im Juli des gleichen Jahres wurde das Freibad fertiggestellt. Viele Wanfried Bürger hatten beim Bau dieser Gemeinschaftseinrichtung tatkräftig Hand angelegt. Das Heidebühl wurde als neues Baugebiet ausgewiesen. Weitere Gebiete außerhalb der Stadt sollten den gewaltigen Wohnraumbedarf decken.1968 war der Bau einer neuen Haupt- und Realschule, heute Gesamtschule, vollendet. Auch in ihrer Nähe entstand ein Neubaugebiet für Mietwohnung im gemeinnützigen Wohnungsbau. Inzwischen ist der Bedarf an Wohnraum aufgrund der sinkenden Einwohnerzahl nicht mehr so groß und in der Innenstadt gibt es sehr viele leer stehende Häuser, deren Bewohner wegen fehlender Arbeitsplätze weggezogen sind oder gestorben sind. Durch die Teilung Deutschlands und die Zonengrenze waren die wirtschaftlichen Strukturen in Ost-West-Handel weggefallen. Die Stadt hatte erhebliche Probleme in wirtschaftlicher, kultureller und sozialpolitischer Hinsicht. Aber Wanfried behauptete sich auch in dieser schweren Zeit und entwickelte sich fast kontinuierlich weiter, wie man an verschiedenen Beispielen ablesen kann. Diese Zeit der Teilung Deutschlands liegt nun schon wieder zwei Jahrzehnte zurück. Wanfried liegt wieder in der Mitte Deutschlands und hat eine Infrastruktur, die sich sehen lassen kann. Dennoch hat man den Eindruck, als wäre die Stadt, nachdem der Trubel der Wiedervereinigung vorüber ist, in einen „Dornröschenschlaf“ gefallen und von aller Welt vergessen. Zwar versucht man, die Altbauten zu sanieren, den Fremdenverkehr attraktiver zu gestalten und zu beleben. Neue Gewerbegebiete vor der Stadt und Kontakte im Internet sollen die Stadt für Privatpersonen und Industriebetrieb anziehender machen.

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