Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Das Wanfrieder Abkommen vom 17. September 1945

Am 7. April 1945 wurde Witzenhausen von den Amerikanern besetzt. Am 8. April folgten die damals thüringischen Dörfer Werleshausen und Neuseesen. Ebenfalls von den Amerikanern besetzt wurde im gleichen Monat Thüringen und ein Teil Sachsens. Am 24. und 25. April stießen die Interessen der Sowjets und Amerikaner bei Torgau an der Elbe aufeinander. Jede Macht wollte das besetzte Land erobern. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands erfolgte am 7./8. Mai 1945, die geplanten Besatzungszonen legt man aber die Siegermächte erst in wesentlichen Teilen während der Monate Juni und Juli fest.

In Folge dieser Verhandlungen mussten die Amerikaner ihre Streitkräfte aus Sachsen und Thüringen zurückziehen. Werleshausen und Neuseesen (Landkreis Heiligenstadt) wurden von den Amerikanern geräumt und von den Sowjets besetzt. Dies geschah im Juli 1945. Die westlichen Besatzungsmächte legten die Zonengrenze untereinander erst Ende Juli fest. Bremen und Bremerhaven wurden eine Enklave der Amerikaner in der britisch besetzten Zone und der Weg in die Amerikanische Zone so verlegt, dass er möglichst kurz war. Aus diesem Grund kamen Kurhessen und die Provinz Hessen-Nassau, und damit auch die Kreise Witzenhausen und Eschwege zur amerikanischen Zone. Die Bahnverbindung Bremen-Hannover-Göttingen-Eichenberg –Bebra-Würzburg führte nicht nur durch die britische Besatzungszone (später Niedersachsen), sondern im Raum Neuseesen- Werleshausen auf einer Länge von ca. 3 km durch die Sowjetzone, und zwar von der Mitte des Bebenroth-Tunnel bis zur Mitte der Eisenbahnbrücke bei Oberrieden. Die Sowjets machten sehr häufig von ihrem Recht auf die Eisenbahnlinie Gebrauch und störten den Transitverkehr der Amerikaner. Ein deutscher Lokomotivführer wurde von einem sowjetischen Soldaten sogar erschossen, weil er sich den Störungsmanövern widersetzte. Streitigkeiten gab es während dieser Zeit auch bedingt durch die Lage bei Großburschla und Herleshausen. Großburschla /Landkreis Mühlhausen wollte zum Kreis Eschwege kommen und die Sowjets wollten dafür Herleshausen einnehmen. Außerdem besetzten die Sowjets am 16. September Wanfried, um die Werra als Grenzlinie nutzen zu können. So wurde am 17. September 1945 in Wanfried zwischen der amerikanischen und der Sowjetischen Besatzungsmacht neu verhandelt. Zunächst verhandelten der Brigadegeneral W.T. Sexton für die Amerikaner und der Generalmajor V.S.Askalepovv für die Sowjets im Hof des Keudell’schen Schlosses in Wanfried und danach besprach man sich im Hotel Rexrodt (Ecke Martinsgasse/Kirchstraße) das Hotel war gut bewacht, die Bevölkerung war von den Verhandlungen ausgeschlossen. Dann wurde der Vertrag im Kalkhof niedergeschrieben und besiegelt. Wanfried wurde von der Russenherrschaft wieder befreit, Großburschla und Herleshausen blieben bei Thüringen bzw. Hessen, Neuseesen und Werleshausen wurden wieder von den Russen geräumt, dafür aber kamen die Orte Sickenberg, Asbach, Vatterode und Weidenbach aus dem Landkreis Witzenhausen zum Landkreis Heiligenstadt und damit in die russisch besetzte Zone. Im Wanfrieder Abkommen war festgelegt, dass die Bewohner der betreffenden Orte mit ihrem Besitz in ihren Dörfern bleiben mussten. Der Text des „Wanfrieder Abkommens“ kann im Dokumentationszentrum eingesehen werden. Nach dem Abkommen musste die Grenze neu festgelegt werden. An den Grenzsteinen, besonders markanten Steinen, Bäumen oder Zäunen markierte man mit gelber Farbe die Grenze zwischen des amerikanischen und der Sowjetischen Zone neu. Die amerikanischen Soldaten feierten den Sieg über Deutschland mit Whiskey, die Sowjets tranken Wodka. So nannte der Volksmund die Eisenbahnlinie bei Neuseesen/Oberrieden und die derart markierten Grenze „Whiskey-Wodka-Linie“. An manchen Grenzsteinen sieht man noch heute die gelbe Farbe.

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