Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Die Wende-Zeit

Einige Zeit dauerte der Freudentaumel an. Immer weitere Grenzübergänge wurden geöffnet. Die Bevölkerung beiderseits der ehemaligen Grenze war in ihrer freien Zeit unterwegs, um die Nachbarstädte zu erkunden und Verwandte zu treffen. Es ergaben sich Gespräche mit fremden „Nachbarn“, Gespräche über berufliche Themen. Man tauschte sich aus, gab sich Tipps, versuchte Rat zu holen und Hilfe zu geben. Im Sommer1990 kamen Berufsorganisationen auf die Idee, Verbindungen zu entsprechenden Organisationen auf der anderen Seite Aufzunehmen, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Post reagierte sehr schnell auf die Bedürfnisse der Kommunikation und stellte an der Straße nach Katharinenberg, am Bahnhof Großburschla und in Wanfried zusätzliche Telefonhäuschen auf.

Die Geschäfte in Wanfried änderten ihre Öffnungszeiten, nicht selten waren diese schon mittags leergekauft und die Wanfrieder Hausfrauen mussten am nächsten Tag wiederkommen, bis frische Ware geliefert war. Für die Fahrt nach Eschwege brauchte man mit dem Auto nicht mehr 10 Minuten, sondern oft waren es 30 Minuten. Fahrten nach Kassel waren nicht mehr zu kalkulieren. Am Grenzübergang Wanfried/Katharinenberg wurde am Tag der Grenzöffnung die Passkontrolle an einem Tisch im Freien vorgenommen. , doch bald stand ein Container bereit und nach wenigen Wochen war ein neuer Grenzübergang mit Ausweichspur, Zoll- und Passkontrolle und eine Wechselstube bei Katharinenberg eingerichtet. Während die Bürger aus dem Osten die begehrten Artikel kauften, die während der DDR-Zeit nur durch verboten Westwerbesendungen kannten, kauften viele Westbürger neben Büchern und Schallplatten Brot, Benzin, Fleisch und Haushaltsartikel im Osten. Oft führte dies zu Versorgungsengpässen, da im Osten die Regeln der freien Marktwirtschaft nicht existierten. Der Handel mit Altautos in Richtung Osten blühte, manche Rostlaube aus dem Westen gelangte allerdings nicht über Wanfried hinaus oder an den Grenzkontrollen vorbei. Umgekehrt fielen viele Holländer über die DDR hinein und durchsuchten die Dörfer nach Antiquitäten und Versuchten so manches Schnäppchen zu ergaunern. Nach dem 1. Juli, dem Tag der Währungsunion, tauschten DDR-Bürger offiziell ihre Bestände an Mark der DDR in D-Mark um. Da sie große Vorräte an Mark hatten, hatten sie jetzt große Mengen an D-Mark. Man hatte den Eindruck, als wollten sie jetzt alles nachholen, was ihnen während der letzten 40 Jahre verwehrt geblieben war. Neben einem neuen Auto lockten vor allem Flugreisen in entfernte Länder oder Tagesreisen oder Wochenendreisen nach Paris. Der Fremdenverkehr in Wanfried hatte nach der Wiedervereinigung stark zugenommen. Inzwischen gab es auch in der ehemaligen DDR ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten, so dass in dieser Beziehung wieder Normalität eingekehrt ist. Die Einwohnerzahlen haben sich verschoben. Aus dem Osten sind viele Bürger nach Westen gezogen, weil sie hier Arbeit fanden. Ehemalige DDR-Bürger übernahmen oft die Arbeit der Bundesbürger, dass sie bereit waren für weniger Geld zu arbeiten. Andererseits dauerte es viele Jahre, ehe sich das Lohnniveau in beiden Teilen Deutschlands anglichen. Auf der anderen Seite fiel für uns die Zonenrandförderung weg. Dies brachte für Wanfried große Schwierigkeiten, die Arbeitslosigkeit im Werra-Meißner-Kreis und in den anderen ehemaligen Grenzkreisen überdurchschnittlich hoch, während die Wirtschaft auf der anderen Seite der Grenze durch Förderung zu blühen scheint. Am offensichtlichsten ist dieser Fortschritt an der Autobahn festzustellen. Entlang der A 4 wuchsen in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung Logistikunternehmen wie Pilze aus dem Boden und die Autobahn selbst ist in beiden Richtungen dreispurig ausgebaut, ja neue Abschnitte sind längst fertig, während von der Autobahnverbindung Kassel-Eisenach nach zwanzig Jahren gerade mal eine Teilstrecke von 4 – 5 km für den Verkehr freigegeben sind. Um die restlichen etwa 50 km führen Naturschutzverbände Prozesse zur Erhaltung des Lebensraums von Pfeifengras, Kammmolch, usw.

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