Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Der Wanfrieder Brombeermann

Frau Holle, die den meisten Menschen nur als Schnee bringende Frau bekannt ist, war aber noch viel mehr. In früheren Zeiten galt sie den Menschen als Göttin. Sie, Frau Holle, hatte Wanfried, die umliegenden Berge, Hügel und Täler besonders in ihr Herz geschlossen.

Eines Tages unternahm sie mal wieder mit ihren Elfen und Wichteln einen Ausflug vom Meißner nach Wanfried.

Es war Sommer. Wunderschön sah es in Wanfried aus. Alles blühte, grünte und wuchs und die Sonne brannte vom Himmel.

Frau Holle suchte sich einen Platz im Schatten am Leistersberg in der Nähe der Rosenbornquelle, um sich auszuruhen.

Wie entspannend es war, die Natur in ihrer Pracht und Fülle zu beobachten. Sie begann ein Binsenkörbchen zu flechten.

In der Zwischenzeit tanzten ihre Elfen auf einer wunderschönen Blumenwiese und ihre Wichtelmänner schlugen vor lauter Übermut einen Purzelbaum nach dem anderen.

Nur – der etwas größere Wurzelmann, Frau Holles Lieblingszwerg, hatte etwas Besseres zu tun. Er hatte die Aufgabe Frau Holles Schatz, der in einer Goldtruhe aufbewahrt wurde, zu bewachen.

Was besaß aber auch Frau Holle für wunderschönen Schmuck! Ringe, Reifen, Ohrringe, goldene Spangen, Kronen und Ketten! Es machte unserem Wurzelmann besonderen Spaß in diesen Schätzen zu wühlen. Er steckte sich einige Ringe an die Finger und setzte sich sogar eine Krone auf den Kopf und schlang sich sogar eine Perlenkette um sein Bäuchlein.

Göttin Holle drohte ihm lächelnd mit dem Finger. Aber – das störte ihn nicht! ER sprang trotzdem über Stock und Stein! Und – da war es auch schon geschehen! Er blieb mit der Kette an einer dichten Rosenhecke hängen.

Er spuckte in die Hände und zog mit seiner ganzen Kraft an den Perlen und so passierte das Unvermeidliche – die Kette riss und – die Perlen kullerten in das Gras, Moos und Gestrüpp.

Ängstlich schrie unser Wurzelmann auf, so dass die Elfen aufhörten zu tanzen und die Wichtelmänner keine Purzelbäume mehr schlugen. Plötzlich war es mucksmäuschen still!

Eilig fing der Wurzelmann an und wollte die Perlen wieder aufsammeln. Selbstverständlich wollten ihm auch gleich die Elfen und Zwerge helfen. Aber – was war das? Wo eben noch rote, blaue, violette und schwarze Perlen gelegen hatten, waren jetzt – Erdbeeren, Himbeeren, Preiselbeeren und ganz, ganz viele Brombeeren.

Da hörten Sie Frau Holle leise lachen. Was hast du getan?! Tadelte sie, das war meine Kette, die ich zur Hochzeit von Wotan geschenkt bekommen habe! In dem Feuer der Perlen brennt meine Leben spendende Liebe! Wird die Kette aber zerrissen, verwandeln sich die Perlen in Beeren. Du hast jetzt nur noch eine Möglichkeit, die Kette wieder zu schließen. Du musst die Beeren in dieses Binsenkörbchen sammeln! Aber – es müssen alle Beeren in dem Körbchen sein, bevor die Sonne gesunken ist und der Waldkauz schreit. Erst dann ist der Bann gebrochen und die Kette wieder geschlossen.

Der Wurzelmann war überglücklich als er das hörte und bat Frau Holle gleich mit dem Suchen beginnen zu dürfen.

So sei es, rief sie ihm zu, such fleißig nach meinen Perlen – verlier dabei weder deine Geduld noch deinen Mut!

Rasch stand die Göttin Holle auf und verließ mit einem leisen Klingen Wanfried und verschwand in Richtung Meißner. Schnell folgten ihr die Elfen und Wichtel.

Da stand der arme Wurzelmann ganz allein mit dem Binsenkörbchen in der Hand. Der Mut verließ ihn nicht und er fing sofort mit der Suche nach den Beeren an.

Er eilte von Hecke zu Hecke und von Strauch zu Strauch. Gerade als er die letzte Beere in sein Körbchen werfen wollte, war die Sonne hinter der Auschen Kugel verschwunden und der Waldkauz schrie sein unheimliches „Uhu, Uhu“

Und was passierte? Das Körbchen war leer und alle Beeren hingen wieder an den Hecken und Sträuchern.

Am nächsten Tag fing unser Wurzelmann wieder an zu sammeln. Und ihr könnt Euch sicher schon denken was am Abend wieder geschah. Er hatte die letzte Beere gerade entdeckt, da sank die Sonne, der Waldkauz schrie, sein Körbchen war wieder leer und alle Beeren, hingen wieder an Sträuchern und Hecken. Und so ging es immer weiter. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr um Jahr. Die Hochzeitskette von Göttin Holle wollte und wollte sich nicht schließen.

Lange, sehr lange lag in Wanfrieds Talkessel, die Kette von Frau Holle. Sie bescherte uns einen reichen Beerensegen. Rund um Wanfried wuchsen Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und vor allen Dingen – Brombeeren!

Und was tat unser armer Wurzelmann? Er versuchte weiter sein Glück sammelte eifrig weiter, um am Abend mit einem leeren Körbchen da zu stehen.

Alt war er inzwischen geworden, uralt. Seine Hose hatte viele Flicken und war zerrissen, sein braunes Hemd war auch nicht mehr das Neuste, sein Hut war verwittert und er trug einen langen Bart.

Endlich hatte Göttin Holle ein Einsehen mit unserem Wurzelmann! Als tausend Jahre vergangen waren und er gerade wieder verzweifelt nach der letzten Beere greifen wollte, nahm sie selbst die Beere und legte sie in sein Binsenkörbchen.

Der Bann war gebrochen. Die Kette wieder fest geschlossen.

Die Elfen jubelten und tanzten und die Wichtel fingen wieder an Purzelbäume zu schlagen. Aber am meisten freute sich unser Wurzelmann! Sicher könnt ihr euch denken unter welchen Namen dieser Wurzelmann inzwischen bekannt geworden ist- richtig – es ist der Wanfrieder Brombeermann!

Inzwischen nennt man sogar alle Wanfrieder Einwohner: Brombeermänner!

Und wir – sind sehr stolz darauf! ………….

Der Brombeermann

Nach Wilhelm Pippart

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