Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Aus der tausendjährigen Geschichte der Stadt

Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. Drangen die „Michelsberger“ aus dem Gebiet am Oberrhein nach Hessen bis in unser Gebiet vor. Diese warten Ackerbauern, welche Tulpenbecher und Backteller aus der für sie typischen Keramik benutzten. Auch typisch für sie waren spitznackige, und durchbohrte Beile, wie man sie in der Wanfrieder Flur und auf der Boyneburg bei Wichmannshausen gefunden hat. „Schnurkeramiker“ kamen zwischen 2000 und 1600 v. Chr. aus dem Osten ins Werratal.

Wanfrieder Irdenwaren

Ohne Übergang oder Vorgeschichte beginnt an der Schwelle von 16. zum 17. Jahrhundert eine Werkstatt in Wanfried die stolze Reihe bedeutender hessischer Töpferzentren, die besonders während der Zeit zwischen 1750 und 1850 als Exportindustrie ihre Waren bis weit über die Grenzen Deutschlands verbreiteten.

Juden gestalten das Geschäftsleben in Wanfried mit

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wanfried geht bis vor den 30-jährigen Krieg zurück. Nach 1570 sollen die ersten Familien hier im Schutze des Landgrafen angesiedelt worden sein. Die Juden bekamen das Viertel der heutigen Straße „Vor dem Schloss“, „Windgasse“, „Steinweg“, „Borngasse“ und „Kleine Gasse“ zum Siedeln zugewiesen. Der einheimischen Bevölkerung waren Juden nicht genehm. Sie führten ein fremdes Leben, samstags, wenn alle noch arbeiten mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, feierten die Juden ihren Sabbat!

Die Entwicklung Wanfrieds vom Fischerdorf über den Marktflecken zur vielfältig gestalteten Fachwerkstadt

Als die Landschaft an der Werra vor ca. 3000 Jahren bereits besiedelt war, lebten die Menschen noch in Wohngruben. Erst in der Zeit, als sich Wanfried zu einem kleinen Fischerdorf an der „Wisaraha „ wandelte, lebte man in Lehmhütten, wie sie heute neben dem geographischen Mittelpunkt Deutschlands im Freilichtmuseum Niederdorla aufgebaut stehen.

Die historischen Fachwerkhäuser, insbesondere das jetzige Rathaus, die „Alte Post“, das „Keudell´sche Schloß“

Das Hotel „Zum Schwan“, die Klauskirche und die Schlagdhäuser sind Zeugen der Wohlhabenheit. Durch den Handel über die Werra-Schifffahrt sind Handwerker und Kaufleute viel herumgekommen. Im hiesigen Fachwerk findet man fränkischen, thüringischen und niedersächsischen Einfluss, wie auch Einflüsse aus der Weserrenaissance.

Wanfried nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg kam ein Flüchtlingsstrom ungeahnten Ausmaßes aus dem Osten nach Wanfried. Die ausgehungerten, teilweise auch verletzten Menschen wurden zunächst für eine Nacht versorgt und dann weiter in Flüchtlingslager geschickt. Viele Menschen blieben aber in der Folgezeit hier wohnen. Für sie musste schnellstens Wohnraum geschaffen werden. Fast über Nacht war die Einwohnerzahl von 2 700 in 1939 auf 4.100 in 1945 gestiegen.

Das Landgrafenschloss zu Wanfried

Im Gebiet an der Werra entstanden einige Burgen zur Befestigung der Linie der Franken gegen die Sachsen. Ob damals bereits in Wanfried eine solche Anlage vorhanden war liegt im Dunkeln. Am 5. Februar 1015 bekam die Abtei Hersfeld unter anderem in Wanfried von Kaiser Heinrich II. ein Gut als Ersatz für andere Güter, welche die Abtei dem Bistum Bamberg abgetreten hatte. Die im Archiv in Marburg liegende Urkunde sagt nichts darüber aus, nach welchem Recht der Besitzer namens Siegfried das Gut besessen hatte.

Gut Kalkhof bei Wanfried

Der Kalkhof liegt im Gatterbachtal an der B 249 von Wanfried nach Mühlhausen. Der Vorgängerhof wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Lizenziat Becker errichtete 1736 die Wirtschaftsgebäude des heutigen Gutes.

Der Gatterbach als Mühlenbach

Der Gatterbach in Wanfried hat eine ganz besondere Bedeutung für die Wanfrieder als Mühlenbach. Er entspringt im Elfengrund, fließt abwärts bis zu den natürlichen Staustufen. Dort bildet er ein Sumpfwassergebiet, welches einer interessanten Fauna und Flora Lebensraum gibt. Dann stürzt der Wasserfall hinunter, dann am Reitplatz und Kalkhof vorbei in Richtung Wanfried.

Die Plesse

Während des 30-jährigen Krieges gab es am 24. Januar 1640 ein schweres Wintergewitter. Ein gräulicher, ungewöhnlich starker Sturm wehte. Dabei stürzte ein großes Stück Kalkfelsen von der Plesse ab. Die Erschütterungen waren so stark, dass im Hochzeitshaus bei einer Feier die Tassen „ein Ellen hoch (d.h. ca. 40 cm) gesprungen sind.

Das Wanfrieder Abkommen vom 17. September 1945

Am 7. April 1945 wurde Witzenhausen von den Amerikanern besetzt. Am 8. April folgten die damals thüringischen Dörfer Werleshausen und Neuseesen. Ebenfalls von den Amerikanern besetzt wurde im gleichen Monat Thüringen und ein Teil Sachsens. Am 24. und 25. April stießen die Interessen der Sowjets und Amerikaner bei Torgau an der Elbe aufeinander. Jede Macht wollte das besetzte Land erobern. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands erfolgte am 7./8. Mai 1945, die geplanten Besatzungszonen legt man aber die Siegermächte erst in wesentlichen Teilen während der Monate Juni und Juli fest.

Der 9. bis 12. November 1989 – Grenzöffnung bei Wanfried/Katharinenberg

In der DDR kriselte es den ganzen Sommer1989. Wer als DDR-Bürger nach der Tschechoslowakei oder Ungarn reisen konnte, nutzte die Gelegenheit zur Flucht in die Deutsche Botschaft des entsprechenden Gastgeberlandes. Uns sind die Szenen der Fernsehsendungen der damaligen Zeit noch in guter Erinnerung. Nach dem „40, Jahrestag der Republik“ am 7, Oktober gab es immer mehr Montagsdemonstrationen. Immer stärker wurde die Zahl der friedlich gegen das Regime der DDR demonstrierenden Bevölkerung der DDR. Am 9. November kündigte Günter Schabowski während einer Pressekonferenz in Ost-Berlin eine neue Reiseregelung an die es praktisch allen Bürgern zu jedem Zeitpunkte ermöglichte, den Staat mit jedem Ziel zu verlassen. Auf Nachfrage bestätigte er, diese Regelung trete sofort in Kraft.

Die Wende-Zeit

Einige Zeit dauerte der Freudentaumel an. Immer weitere Grenzübergänge wurden geöffnet. Die Bevölkerung beiderseits der ehemaligen Grenze war in ihrer freien Zeit unterwegs, um die Nachbarstädte zu erkunden und Verwandte zu treffen. Es ergaben sich Gespräche mit fremden „Nachbarn“, Gespräche über berufliche Themen. Man tauschte sich aus, gab sich Tipps, versuchte Rat zu holen und Hilfe zu geben. Im Sommer1990 kamen Berufsorganisationen auf die Idee, Verbindungen zu entsprechenden Organisationen auf der anderen Seite Aufzunehmen, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Post reagierte sehr schnell auf die Bedürfnisse der Kommunikation und stellte an der Straße nach Katharinenberg, am Bahnhof Großburschla und in Wanfried zusätzliche Telefonhäuschen auf.

Literaturverzeichnis:

Um die im linken Menü befindlichen geschichtlichen und historischen Fakten zusammen tragen zu können, bedarf es stets einer großen Passion. Aber neben dieser Hingabe zur Heimat stehen natürlich auch mangifaltige Werke anderer Personen zur Verfügung, auf gern zurück gegriffen wird. Hier finden Sie für den gesamten Bereich "Geschichte & Historisches" das zusammengetragene Literaturverzeichnins.

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