Kultur- und Verkehrsverein Wanfried e.V.

Unser Heldrastein

hier werden Sie Details zu dem historisch bedeutetenden Heldrastein finden

Einblick in die Natur auf dem Weg Räuber Henning

In halber Höhe des jäh abfallenden Felsens des Heldrasteines

befindet sich eine kellergroße, halbdunkle Höhle.

Ein schmaler Felsspalt ist der Eingang.

Ein siebgroßes Loch das Fenster.

Ein handbreiter Pfad der Zugangsweg.

Eine verkrüppelte Eibe verdeckt,

mit ihren dunkelgrünen Blättern, Pfad und Felsspalt,

den Blicken des Wanderers.

Diese Höhle ist das „Henningsloch“.

Das unzugängliche und unauffindbare Räubernest,

des sehr gefürchteten Buschkleppers, Wegelagerers

und Raubgesellen namens Henning.

Viele böse Geschichten erzählt man sich von ihm.

 

Einmal ging zur Beerenzeit Anna,

die Tochter einer armen Witwe aus dem Dorf Heldra,

in den Wald,

um ein Körbchen Heidelbeeren zu pflücken.

Schon war die Arbeit getan

und die Vesperglocke rief zur Heimkehr.

Da stand urplötzlich ein großer Kerl vor ihr.

Er hatte einen struppigen Bart und sah furchterregend aus.

Das war der Räuber Henning.

 

Die zu Tode erschrockene Anna wollte fliehen, aber der Räuber hielt sie fest

und nahm sie mit hinauf in seine Höhle.

Dort sprach der Bösewicht zu ihr:

„Du sollst von nun an bei mir bleiben und Magddienste tun.

Wenn du gehorsam bist

und alle Arbeiten für mich verrichtest,

will ich dir kein Haar krümmen.

Weigerst du dich aber …..“ Er redete nicht weiter,

sondern zeigte ihr seinen gezückten Dolch.

 

So blieb Anna in der Höhle des Räubers,

aber sie hatte große Angst und Heimweh.

Sie tat all die ihr auferlegten Pflichten

und der Räuber Henning war zufrieden.

Als aber ein Jahr vorüber war

und sie es vor Sehnsucht nach ihrer Mutter nicht mehr aushalten konnte, bat sie den Räuber,

ihr doch zu erlauben wieder nach Hause zurückzukehren.

 

Dieser war ein bisschen reumütig

und erlaubte ihr einen Besuch nach Hause.

Aber nach drei Tagen

sollte sie wieder zu ihm zurückkommen.

 

Das versprach ihm Anna hoch und heilig.

Außerdem musste sie Räuber Henning noch versprechen,

dass sie niemandem sagte wo sie bisher gewesen war.

 

War das eine große Freude für die arme Mutter,

als Anna,

ihre längst totgeglaubte Tochter, in die heimatliche Stube trat.

Beide fielen sich in die Arme

und weinten Freudenträne über ihr Wiedersehen.

 

Aber so viel die Mutter auch fragte und forschte,

Anna verriet ihren Aufenthaltsort nicht

und auch nicht welchem Herrn

sie dienen musste.

 

Als aber die Mutter in die Küche eilte,

um ein stärkendes Mahl zu kochen,

kniete sich die Tochter am Kachelofen nieder,

erhob ihre gefalteten Hände und betete:

 

„Keinem Menschen darf ich’s sagen,

doch dem Ofen will ich’s klagen:

Droben in dem Henningsloch

Trage ich des Räubers Joch.

Lieber Herrgott, du allein

Kannst mein wahrer Helfer sein;

Schütz’ und schirm mein Vaterhaus,

führ uns aus der Not heraus!“

 

Und der liebe Herrgott half.

 

Denn die Mutter

draußen in der Küche

hatte die Bitte ihres Kindes gehört.

Ein leises Lächeln glitt über ihr abgearbeitetes Gesicht.

Endlich wusste sie das Versteck ihres Kindes.

Nun konnte sie ihr helfen.

Aus der Truhe nahm sie ein Beutelchen mit Erbsen.

Allzuschnell verflogen die drei Tage des Besuches,

und als am dritten Tage

die Abendglocken über die Dächer Heldras klangen,

hieß es Abschied nehmen.

Und die Tränen rannen den beiden über die Wangen

und die Küsse wollten kein Ende nehmen.

Aber die Mutter tröstete die Tochter

und versprach ihr ein baldiges,

glückliches Wiedersehen.

Anna aber ging traurig fort

in neues Leid und neues Elend.

 

Als aber Anna den Waldrand erreichte

und bergan zu steigen begann,

bemerkte sie in der Kleidertasche ein Säcklein mit Erbsen.

Sofort ahnte sie die Absicht der klugen Mutter.

Leise ließ sie eine Erbse nach der anderen auf ihren Pfad fallen.

Als sie am Eingang der Höhle stand,

war auch gerade die letzte Erbse ausgestreut.

Henning aber lag

betrunken auf seinem Felllager und schlief.

 

Die treue Mutter war unterdessen in das Dorf geeilt

und hatte eine Schar handfester

und bewaffneter Männer zusammengerufen.

Mit diesen war sie in den Wald gegangen.

Sie suchte und fand die Spur ihres Kindes

durch die ausgestreuten Erbsen.

Nach einer guten Stunde

standen die Retter am Rade des Heldrasteines.

Ganz in ihrer Nähe tat sich der Felsspalt zur Höhle auf.

Der überraschte Räuber wurde gefangen,

geknebelt

und hinab nach Treffurt gebracht.

Dort wurde ihm der Prozess gemacht.

Mutter und Kind lagen sich aber

vor lauter Freude

in den Armen.

 

Mit dem Räuber Henning wurde nicht lange Federlesens gemacht.

Das Gericht sprach sein Urteil

und mitten auf dem Marktplatz,

im Angesicht des Heldrasteines,

wurde dem Galgenvogel der Strick um den Hals gelegt.

 

Die vielen geraubten

und in der Höhle gefundenen Schätze wurden,

so weit das möglich war,

ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben.

 

Den immer noch ansehnlichen Rest aber

empfingen Anna und ihre Mutter.

Beide haben damit vielen Armen,

Kranken und Unglücklichen geholfen.

Der Segen guter Menschen bleibt alle Zeit unvergessen.

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